| Bulletin n. 3/2011 | ||
| February 2012 | ||
|
Leist Anton |
||
| Klimagerechtigkeit | ||
| in Information Philosophie , Band 39, Heft 5, 2011 , 2011 | ||
| Mit Klimawandel und Klimapolitik beschäftigen sich Philosophen erst seit wenigen Jahren. Dennoch hat sich bereits ein Punkt ergeben, an dem die reale Politik die begriffliche Phantasie eher zu unterlaufen scheint als ihr ein offenes Anwendungsfeld zu bieten. Der Klimagipfel in Kopenhagen 2009 hat für vermutlich längere Zeit die Hoffnung zerstört, es könnte eine ethisch geläuterte Nachfolgeversion des Kyoto-Abkommens geben. Die Kontrahenten, insbesondere die USA und China, stehen sich starr gegenüber und die Europäer sind mangels Masse und Einfluss unfähig, diese Blockade aufzubrechen. Für Bürger der westlichen und der übrigen Welt sollte es dennoch hilfreich sein, diesen Zustand mindestens zu begreifen, begleitend zu politischen Vorarbeiten für Koalitionenbildung im bescheideneren Umfang. Welche Rolle Gerechtigkeit dabei jetzt und in der Zukunft spielen kann, wird ein Teil dieser Diagnostik sein. Die Philosophie könnte also das Verständnis der augenblicklichen Stagnation unterstützen, allerdings nur, wenn sie die real-sozialen Kräfte neben den idealen berücksichtigt. Ob der Klimawandel überhaupt noch menschlich kontrolliert werden kann, ist durchaus ungewiss. Ob anspruchsvolle Kooperationen langfristig und im globalen Maßstab möglich sind, wird historisch zum ersten Mal getestet; und die traditionell eine einzige, weltumfassende Vernunft reklamierende Philosophie könnte in diesem Fall real widerlegt werden. In welchem Sinn können Philosophen angesichts des Klimawandels überhaupt hilfreiche Dienste leisten? ... | ||
